Semarang ist die Hafenstadt an der Nordküste von Zentraljava. Im Kolonialviertel Kota Lama stehen niederländische Kontore und die Kupferkuppel der Kirche Gereja Blenduk, der Bahnhofspalast Lawang Sewu zeigt Architektur von 1907, und im Tempel Sam Poo Kong trifft Chinesisches auf Javanisches. Berge, Seen und Tempel liegen in Reichweite des Stadtrands.
| Lage | Nordküste von Zentraljava, Hauptstadt der Provinz |
| Kolonialviertel | Kota Lama mit Gereja Blenduk (1753) |
| Bahnhofspalast | Lawang Sewu, Bau 1903, Eröffnung 1. Juli 1907 |
| Chinesischer Tempel | Sam Poo Kong auf 3,2 Hektar |
| Nachtmarkt | Pasar Semawis im Viertel Pecinan (seit 2004) |
| Spezialität | Lumpia Semarang |
| Umland | Gedong Songo, Rawa Pening, Ambarawa, Curug Benowo |
Semarang steht auf den meisten Rundreisen im Schatten von Yogyakarta und Surakarta, den beiden Kulturstädten im Süden der Provinz. Dabei ist die Hafenstadt der Ort, an dem sich auf Java Handel, Kolonialgeschichte und chinesische Einwanderung am deutlichsten überlagern. Du findest hier Bauten der niederländischen Eisenbahngesellschaft, einen Tempelkomplex zu Ehren eines chinesischen Admirals, ein Chinesenviertel mit Nachtmarkt und eine Küche, die aus allen drei Welten schöpft. Im Hinterland steigt das Gelände zu Vulkanhängen, Seen und Hindu-Tempeln an. Diese Seite zeigt dir, was du in der Stadt ansiehst, was sich im Umland lohnt und wie du die Tage gliederst.
Was macht die Altstadt Kota Lama aus?
Kota Lama liegt nahe dem Hafen und war das europäische Handelsviertel der Stadt. Wer hier zu Fuß oder im Becak, dem Fahrradrikscha-Taxi, unterwegs ist, sieht Reihen alter Kontorhäuser, Lagerhallen und Bürgerbauten im niederländischen Stil. Das Viertel ist das Zentrum, in dem viele Kulturen zusammenfließen: Neben den europäischen Fassaden stehen buddhistische Tempel mit klassischer chinesischer Architektur.
Das Wahrzeichen ist die Gereja Blenduk an der Jalan Letjend Suprapto. Die Kirche wurde 1753 gebaut und ist die älteste protestantische Kirche Zentraljavas. Ursprünglich entstand sie im traditionellen javanischen Joglo-Stil, 1894 erhielt sie ihre heutige Gestalt mit dorischen Säulen und einer achteckigen Kuppel aus Kupfer. Daher kommt auch der Name: Auf Javanisch bedeutet „mblenduk“ so viel wie gewölbt. Vor der Fassade stehen zwei Uhrentürme. Im Innenraum fallen eine barocke Orgel, eine achteckige Kanzel, eine alte schmiedeeiserne Wendeltreppe und Bänke aus Teakholz und Rattan auf. Verhalte dich im Kirchenraum zurückhaltend.
In der Nähe liegt das ehemalige Theater Marabunta, an dessen Eingang zwei große Ameisenfiguren sitzen, und das Café Spiegel mit historischer Einrichtung, in dem du ein internationales Menü bekommst. Der Rundgang durch Kota Lama dauert zwei bis drei Stunden, wenn du in Ruhe schaust. Am angenehmsten ist der späte Nachmittag, wenn die Hitze nachlässt und das Licht auf die Fassaden fällt. Mehr zu Bauformen im Land findest du auf der Seite Architektur.

Was steckt hinter dem Bahnhofspalast Lawang Sewu?
Das Gebäude am Platz Tugu Muda an der Jalan Pemuda trägt den Namen Lawang Sewu, „tausend Türen“. Die Zahl ist eine Übertreibung der Einheimischen für die vielen Türen und Fenster. Gebaut wurde der Komplex ab 1903, eröffnet am 1. Juli 1907. Die niederländischen Architekten Jacob F. Klinkhamer und B. J. Queendag entwarfen ihn als Hauptverwaltung der privaten Eisenbahngesellschaft Nederlandsch-Indische Spoorweg Maatschappij, kurz NIS. Von hier aus verwaltete die Gesellschaft ihr Bahnnetz.
Das Haus hat eine bewegte Geschichte. Im Jahr 1942 nutzten die japanischen Besatzer es als Gefängnis, in dem auch Gefangene hingerichtet wurden. Im Jahr 1945 war das Gebäude ein Schauplatz der Kämpfe der Stadt, die als Fünftagekampf von Semarang in Erinnerung sind; viele indonesische Freiheitskämpfer starben im Kampf gegen japanische Truppen. Vor dem Haus erinnert ein Denkmal an diese Männer. Wegen dieser Vergangenheit ist Lawang Sewu auch ein Ziel für Besucher, die sich für unheimliche Orte interessieren.
Nach einer umfangreichen Renovierung wurde Lawang Sewu 2011 wieder für Besucher geöffnet; die Einweihung nahm die damalige First Lady vor. In der offenen Anlage nutzt man die Gebäude A und B für Führungen und für Kultur- und Gesellschaftsveranstaltungen. Es gibt Kellerräume und Ausstellungsflächen. Die langen Flure mit hohen Bögen, den Fenstern mit buntem Glas und den Treppenhäusern lohnen den Besuch auch ohne die Geschichten über Geister. Plane etwa eine Stunde ein.
Warum lohnt der Tempel Sam Poo Kong?
Der Komplex Sam Poo Kong, auch Gedong Batu genannt, ist der älteste Tempel im Stadtteil Simongan an der Jalan Simongan im Westen der Stadt. Er geht auf den Admiral Zheng He zurück, in Indonesien als Cheng Ho bekannt. Der chinesische Seefahrer und Muslim war ein enger Vertrauter des dritten Kaisers der Ming-Dynastie, Yongle. Seine Expeditionen dauerten von 1405 bis 1433, und er besuchte 37 Länder. In Semarang gelangte er im 15. Jahrhundert an Land; der Tempel erinnert an dieses Ereignis. Mehrere Moscheen in Semarang, Surabaya, Palembang und Pasuruan sind ihm gewidmet.
Die Anlage ist 3,2 Hektar groß. Zum Komplex gehören der Tempel Sam Poo Kong mit einer Höhle, der Tempel Tho Tee Kong, der Tempel Kyai Juru Midi, der Tempel Kyai Jangkar, der Tempel Kyai Cundrik Bumi und der Tempel Mbah Kyai Tumpeng. Die Farben Rot, Gelb und Grün stehen für die Mischung aus javanischer und chinesischer Baukunst: geschwungene Dächer, Drachen, Laternen und weite Vorhöfe. Der Ort ist zugleich ein Gebetsort und eine Pilgerstätte. Er steht Gläubigen aller Religionen offen, was zur Haltung des Admirals passt.
Jedes Jahr am 29. und 30. Tag des sechsten Mondmonats wird die Ankunft von Cheng Ho gefeiert. Dann tragen die Gläubigen eine Statue des Admirals vom Tempel Tay Kak Sie im Chinesenviertel bis zu Sam Poo Kong, und im Vorhof findet ein Karneval statt. Wer zu dieser Zeit in der Stadt ist, sollte den Umzug nicht verpassen. Bedecke in den Tempeln Schultern und Knie und verhalte dich zurückhaltend gegenüber den Betenden.
Was erlebst du im Chinesenviertel Pecinan?
Das Viertel Pecinan ist die Chinatown von Semarang. Hier steht der Tempel Tay Kak Sie, und hier liegt der Nachtmarkt Pasar Semawis an der Gang Warung. Er wurde 2004 gegründet, zum 600. Jahrestag der ersten Expedition von Cheng Ho nach Semarang. Die Händler sind überwiegend Indonesier und Chinesen. Du bekommst Satay, Nasi Goreng, Suppen, Nudeln, Süßspeisen, Pisang Plenet (gebratene Bananen) und Lumpia. Daneben verkaufen Stände T-Shirts, chinesische Heilkräuter und Souvenirs mit chinesischen Motiven. Ein Gang über den Markt am frühen Abend zeigt dir die Küche der Stadt in kleinen Portionen.
Die berühmteste Spezialität ist die Lumpia Semarang. Sie ähnelt einer Frühlingsrolle und geht auf die chinesische Küche zurück. Die Füllung aus Bambussprossen, Ei und Huhn oder Garnelen schmeckt süßlich-herzhaft. Dazu gibt es eine dicke braune Soße, Schalotten, Vogelaugenchili und Salat. Die Stände findest du im Chinesenviertel, unter anderem an der Gang Lombok, nahe dem Tempel Tay Kak Sie. Komm früh, denn die Rollen sind rasch ausverkauft. Lumpia eignet sich auch als Mitbringsel. Mehr zur Küche des Landes findest du auf der Seite Essen und Trinken.
Etwas weiter westlich steht der Markt Pasar Johar, um 1930 vom niederländischen Architekten Thomas Karsten entworfen. Sein Kennzeichen sind pilzförmige Stützen aus Stahlbeton, die Licht und Luft durch die Halle lassen. Der Markt galt in seiner Zeit als einer der größten und modernsten in Südostasien. Wer sich für Architektur der 1930er-Jahre interessiert, findet hier ein gutes Beispiel für die Verbindung von Funktion und tropischem Klima.

Welche weiteren Bauten und Orte lohnen in der Stadt?
Am Fluss im Viertel Kampung Melayu steht die Masjid Layur. Ihr hoher Turm war ursprünglich ein Leuchtturm des Hafens und wurde später in ein Gebetshaus umgewandelt, mit einem hölzernen Stelzenbau und einem Tajug-Dach. Zwischen 1930 und 1950 ersetzte man die Holzkonstruktion durch Stein; später baute man Schutz gegen Gezeitenhochwasser ein. Den Turm als Wahrzeichen hat man erhalten, als der Hafen den neuen Leuchtturm Willem III im Hafen Tanjung Emas erhielt, der im späten 19. Jahrhundert beim Ausbau des Neuen Hafens entstand und noch steht.
Die katholische Kirche St. Yusuf an der Jalan Ronggowarsito, auch Gedangan genannt, ist die erste katholische Kirche der Stadt. Die katholische Gemeinde besteht seit 1809, als die erste Taufe stattfand. Der Bau der Kirche begann am 1. Oktober 1870, stürzte 1873 während der Arbeiten ein und wurde am 12. Dezember 1875 geweiht. Die Residenz des Gouverneurs von Zentraljava, Puri Gedeh, wurde 1952 als Huize Helly von T. Th. van Oyen entworfen und von Liem Bwan Tjie gebaut, einem der ersten indigenen Architekten Indonesiens; das Haus ist ein geschütztes Kulturdenkmal und ein Beispiel für tropische Kolonialarchitektur der Nachkriegszeit.
Für einen Familiennachmittag eignet sich der Park Grand Maerakaca nahe dem Flughafen. Er zeigt Nachbauten traditioneller Häuser aus Sumatra, Java, Bali, Kalimantan, Sulawesi und Papua, in denen Waren der Regionen ausgestellt sind. Dazu kommt ein Mangrovenwald und der Bereich Lumina mit 25 Nachbauten von Häusern aus aller Welt, darunter Griechenland, Japan, Saudi-Arabien und den USA. Der Platz Simpang Lima im Herzen der Stadt ist abends ein Treffpunkt mit Lichtern, Rikschas und vielen Imbissständen. Am Stadtrand liegt der Brown Canyon in Rowosari im Bezirk Tembalang, ein ehemaliger Sand- und Steinbruch mit steilen Felswänden, an deren Rändern Bäume wachsen. Am späten Nachmittag ist es dort kühler, die Sonne geht über den Wänden unter, und der Abbau ruht.
Welche Ausflüge lohnen ins Umland?
Die Berge südlich der Stadt sind ein Gegengewicht zur Hitze der Küste. Der Tempelkomplex Gedong Songo liegt in Desa Candi bei Bandungan am Hang des Vulkans Ungaran. Die Hindu-Tempel entstanden im 8. und 9. Jahrhundert und zeigen den typischen zentraljavanischen Stil mit feinen Reliefs. „Gedong Songo“ heißt „neun Gebäude“, aber nur fünf Tempelgruppen stehen noch. Sie reihen sich einer nach dem anderen den Hang hinauf, warum man sie so anordnete, ist offen. Grüne Hügel umgeben die Anlage, der Aufstieg zwischen den Gruppen dauert je nach Tempo gut anderthalb Stunden.
Der See Rawa Pening liegt in einem Becken zwischen den Bergen Merbabu, Ungaran und Telomoyo. Er ist rund 2.670 Hektar groß. Du mietest ein Boot für eine Rundfahrt von etwa 40 Minuten und isst danach in einer der schwimmenden Garküchen am Ufer. Ganz in der Nähe, in Ambarawa zwischen Semarang und Salatiga, steht das Eisenbahnmuseum, das als niederländische Station Willem I begann. Es zeigt Zubehör und Anlagen aus der Zeit von Niederländisch-Indien bis vor der Unabhängigkeit, dazu mehrere Dampflokomotiven, die du fotografieren kannst. Das Benteng Pendem in Ambarawa, auch Fort Willem I, entstand von 1834 bis 1845 unter Generalgouverneur Johannes van den Bosch als Festung und Kaserne zur Sicherung der niederländischen Herrschaft in Zentraljava. Der Name „versunkene Festung“ kommt daher, dass Teile unter dem Bodenniveau liegen.
Natur gibt es auch abseits der Tempel: Der Wasserfall Curug Benowo am Hang des Ungaran stürzt rund 70 Meter tief; der Weg dorthin ist etwa 2,5 Kilometer lang, steil und rau. Eine Holzbrücke dient als beliebter Fotoplatz. Der Aussichtsberg Lereng Kelir in Jambu, seit Januar 2017 eröffnet, liegt rund 46 Kilometer von der Stadt entfernt; die Fahrt dauert etwa zwei Stunden, der Aufstieg anderthalb Stunden. Vom Gipfel siehst du Sindoro, Sumbing, Telomoyo, Ungaran, Merbabu und den Rawa Pening, und du kannst oben zelten. Im Ort Bawen liegt der Park Dusun Semilir mit Restaurants, Übernachtungsmöglichkeiten, Fotoplätzen und einem Bereich im Stil eines kleinen Europa.

Wie planst du Semarang?
Für die Stadt selbst reichen zwei Tage: Am ersten Tag gehst du durch Kota Lama, Lawang Sewu und das Chinesenviertel und isst abends auf dem Nachtmarkt. Am zweiten Tag besuchst du Sam Poo Kong am Vormittag, anschließend den Pasar Johar. Wer Natur und Geschichte verbinden möchte, hängt einen Tag im Umland an, etwa Gedong Songo am Morgen und Rawa Pening am Nachmittag, oder Ambarawa mit Museum und Festung. Die Stadt eignet sich auch als Zwischenstopp zwischen Jakarta oder Bandung im Westen und Surabaya im Osten; Richtung Süden erreichst du Borobudur. Eine Übersicht über die Insel gibt die Seite Java.
Die Küstenstadt ist heiß und feucht, trage deshalb leichte Kleidung, Sonnenschutz und festes Schuhwerk für Kota Lama, dessen Gehwege uneben sind. Für das Umland packst du eine Jacke ein, denn in den Bergen ist es kühler. Vor dem Besuch von Kirchen und Tempeln bedeckst du Schultern und Knie. Becak-Fahrer bieten Touren durch Kota Lama an; vereinbare vor dem Einsteigen den Preis. Für die Strecken ins Umland ist ein Auto mit Fahrer die bequemste Lösung.
Für wen lohnt sich Semarang?
Semarang lohnt sich für alle, die Java abseits der großen Namen kennenlernen möchten. Architekturfreunde finden Bauten von 1753 bis in die 1950er-Jahre. Geschichtsinteressierte erleben die niederländische Zeit, die japanische Besatzung und den Kampf um die Unabhängigkeit an authentischen Orten. Genießer essen sich durch einen Nachtmarkt, und Naturfreunde steigen auf Vulkanhänge, fahren zum See oder wandern zu Wasserfällen. Wer nur eine Nacht hat, sollte sie im Viertel um Kota Lama verbringen und am nächsten Morgen weiter in den Süden reisen.
Häufige Fragen zu Semarang
Wie alt ist die Kirche Gereja Blenduk?
Sie wurde 1753 gebaut und 1894 mit der Kupferkuppel umgestaltet.
Wann wurde Lawang Sewu eröffnet?
Am 1. Juli 1907, als Sitz der Eisenbahngesellschaft NIS.
Wer war Zheng He?
Ein chinesischer Admiral, dessen Expeditionen von 1405 bis 1433 dauerten; Sam Poo Kong erinnert an seine Landung.
Was ist Lumpia Semarang?
Eine Rolle mit Bambussprossen, Ei und Huhn oder Garnelen, die mit brauner Soße serviert wird.
Wie viele Tempel von Gedong Songo stehen noch?
Fünf Tempelgruppen, obwohl der Name von neun Gebäuden spricht.
Zentraljava mit Borobudur und Yogyakarta verbinden? Vergleiche Angebote mit Flug und Hotel für Java und Bali. Mehr zu den historischen Orten der Stadt findest du auf der Seite des Tourismusministeriums zu Semarang.