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Tari Saman: Tanz der tausend Hände aus dem Gayo-Hochland

Der Saman ist ein Sitztanz der Gayo im Hochland der Provinz Aceh im Norden Sumatras. Die Tänzer sitzen in dichten Reihen, klatschen, schlagen sich auf Brust und Oberschenkel und singen dazu, ganz ohne Instrumente. Seit 2011 steht der Saman auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes, das dringend geschützt werden muss.

HerkunftGayo-Hochland, Provinz Aceh, Sumatra
SpitznameTanz der tausend Hände
AusführendeTraditionell Jungen und junge Männer, in dichten Reihen
BegleitungKlatschen, Schläge auf Brust, Oberschenkel und Boden, Gesang
Sprache der VerseÜberwiegend Gayo
UNESCOSeit 2011 auf der Liste des dringend schutzbedürftigen immateriellen Kulturerbes
ZentrenTakengon in Zentral-Aceh und Gayo Lues
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Wer den Saman zum ersten Mal sieht, erlebt einen Tanz, der fast keine Bühne braucht. Eine Reihe von Männern sitzt Schulter an Schulter, die Hände schnellen im Gleichtakt nach vorn und zur Seite, die Köpfe drehen sich nach rechts und links, und aus den Kehlen kommt ein Gesang, der den Rhythmus trägt. Diese Seite erklärt, was hinter dem Tanz steckt, wie eine Aufführung abläuft, welche Verwandten der Saman hat und wie du das Gayo-Hochland erreichst, wo er zu Hause ist. Mehr zu den Musiktraditionen des Landes findest du auf der Seite Musik.

Was ist der Saman und woher kommt er?

Der Saman gehört zum Kulturerbe der Gayo, einer Volksgruppe im Hochland der Provinz Aceh, die im Norden Sumatras liegt. Die Gayo leben in einer bergigen Gegend mit tief religiöser Gesellschaft, und der Tanz spiegelt genau diese Verbindung von Glauben und Gemeinschaft. Er trägt den Spitznamen Tanz der tausend Hände; die Hände sind ständig in Bewegung, und die Reihen wirken wie ein einziger Körper.

Der Tanz war von Anfang an mehr als Unterhaltung. Er diente der Verkündigung des Glaubens, der Da’wa. Als Begründer der Tradition steht der gelehrte Syekh Saman in der Überlieferung der Gayo. Er entwickelte aus einem Volksspiel namens Tepuk Abe, einem Klatschspiel, eine Form, in die er Verse zum Lob Gottes einfügte, und nutzte sie, um religiöse Lehren zu vermitteln. Von Dorf zu Dorf und von Generation zu Generation wurde der Tanz weitergegeben, bis er zu einem Kennzeichen von ganz Aceh wurde. Mehr zum Glauben im Land findest du auf der Seite Religion.

Wie läuft eine Aufführung des Saman ab?

Die Tänzer sitzen in dichten Reihen, die Schultern berühren sich, sodass eine geschlossene Linie entsteht. Die Zahl der Tänzer ist ungerade, und genau das trägt zum ordentlichen, präzisen Bild bei. In der Mitte der Reihe sitzt der Anführer. Er leitet den Gesang der Verse und gibt die Kommandos, wenn das Tempo oder die Bewegung wechseln soll. Wegen dieser Aufgabe heißt er im Englischen auch Lifter.

Die Bewegungen folgen einem festen Muster. Die Tänzer klatschen in die Hände, schlagen sich auf Brust und Oberschenkel, schlagen auf den Boden und schnipsen mit den Fingern. Sie wiegen und drehen Körper und Kopf, entweder alle im Gleichtakt oder im Wechsel mit den Gegenübersitzenden. Der Rhythmus wechselt, das Tempo steigt im Verlauf der Aufführung, und die Bewegungen sind schnell und genau aufeinander abgestimmt. Der Tanz kommt ohne Musikinstrumente aus: Klatschen, Brustschläge, Stampfen und der Gesang der Tänzer erzeugen den Takt, die Stimmen sind das wichtigste Instrument.

Die Tänzer tragen schwarze Kleidung, die mit farbigen Gayo-Motiven bestickt ist. Die Motive stehen für die Natur und für edle Werte. Wer die Stickerei aus der Nähe betrachtet, sieht, wie viel handwerkliche Arbeit in den Kostümen steckt.

Was bedeuten die Bewegungen und Verse im Saman?

Die Bewegungen stehen für das tägliche Leben der Gayo und für ihre natürliche Umgebung. Die Kopfdrehungen nach rechts und links drücken aus, wie die Menschen auf die Natur, auf das soziale Leben und auf den Glauben an Gott antworten. Hinter der Genauigkeit steckt eine Aussage über Gemeinschaft: Niemand kann allein leben, und deshalb bewegen sich alle in einem Takt.

Die Verse sind überwiegend in der Sprache der Gayo gehalten. Sie geben Orientierung, und ihr Ton ist religiös, romantisch oder humorvoll. Die gesungenen Gedichte tragen religiöse Botschaften, Ratschläge und auch sozialen Spott. Zu den Themen des Tanzes gehören Frömmigkeit, Zusammenhalt, die Liebe zum Land der Gayo, Freude und Kampfgeist, außerdem das Zusammenleben mit der Natur. Die Religion bildet die zentrale Achse des Alltags, und der Tanz zeigt das offen.

Gerade die Vielfalt der Verse macht den Saman zu einem lebendigen Tanz. Ein Abend kann mit einer ernsten Mahnung beginnen, in eine heitere Strophe übergehen und mit einem Lied enden, das die Zuschauer zum Schmunzeln bringt. Die Aufführungen feiern nationale und religiöse Feiertage. Dörfer laden einander zu Aufführungen ein, und diese Besuche stärken die Beziehungen zwischen den Gruppen. Mehr zu Festen und Feiertagen findest du auf der Seite Feiertage.

Wie unterscheiden sich Ratoh Duek und Ratoh Jaroe vom Saman?

In Aceh gibt es Tänze, die dem Saman ähneln, und wer sie nicht kennt, verwechselt sie leicht. Der Ratoh Duek ist ein Sitztanz, der typischerweise von Frauen in einer Reihe aufgeführt wird. Der Name setzt sich aus den Wörtern ratoh für Tanz und duek für sitzen zusammen. Wie der Saman kommt er ohne Instrumente aus, der Rhythmus entsteht aus Händeklatschen, Brustschlägen und den Liedern der Tänzerinnen. Die Texte vermitteln Dank, Moral und religiöse Lehren. Die Kostüme sind farbenfroh und aufwendig bestickt, mit Rot, Gelb und Grün, und zu ihnen gehört ein Kopftuch, das Tengkuluk. Es steht für Bescheidenheit und Eleganz.

Der Ratoh Jaroe ist ein jüngerer Tanz. Er wurde im Jahr 2000 von Yusri Saleh geschaffen und wird von einer Gruppe von Tänzerinnen aufgeführt, die dynamisch und aufeinander abgestimmt tanzen und dabei klatschen. Begleitet wird er oft von islamischer Dichtung. Seine Bewegungen drücken Zusammenhalt, Gemeinschaft und Kampfgeist aus. Der Saman wird dagegen traditionell von Männern in ungerader Zahl getanzt, der Ratoh Jaroe von Frauen in gerader Zahl.

Zur Klangwelt Acehs gehört außerdem die Rapai, eine Rahmentrommel in mehreren Größen. Größere Trommeln klingen tief, kleinere höher, und zusammen ergeben sie einen lebendigen, vielschichtigen Rhythmus. Die Rapai begleitet Zikir, die religiösen Gesänge, ebenso wie Hochzeiten, Erntefeste und den Kampfsport Silat. Als Rapai Geleng tritt sie bei Kulturfestivals in einer Gruppenaufführung mit Trommeln, Bewegung und Gesang auf.

Wo siehst du den Saman im Gayo-Hochland?

Die Zentren der Tradition sind Takengon in Zentral-Aceh und Gayo Lues. Takengon ist die Hauptstadt des Distrikts Zentral-Aceh und eine kleine Stadt mit höchstens 230.000 Einwohnern. Die Temperatur liegt im Jahresmittel um 20 Grad, die Brise ist kühl, und oft liegt Nebel über der Gegend. Die Abende sind still, ganz anders als in Banda Aceh, das nach Einbruch der Dunkelheit lebhafter wird. Die Landschaft prägen Kiefern und tropische Vegetation, und im Bus oder im Labi-Labi, dem lokalen Minibus, fährst du durch das Land.

Der größte Anziehungspunkt der Stadt ist der See Laut Tawar. Der Name bedeutet Meer aus Süßwasser. Aktivitäten rund um den See und der Agrotourismus sind der Grund, die Reise in Takengon zu verlängern. Eine Legende erzählt von einer Prinzessin, die zu Stein wurde und von unsichtbaren Wesen bewacht wird. Den Saman erlebst du in dieser Region bei traditionellen Veranstaltungen, bei Feiern und auf Kulturfestivals. Eine Aufführung live zu sehen, vermittelt mehr als jedes Video.

See Laut Tawar bei Takengon mit nebligen Hügeln und Kiefern am Ufer

Wie schmeckt der Kaffee im Gayo-Hochland?

Das Hochland von Gayo ist die Heimat des Kopi Aceh, der zu den besten Kaffees Indonesiens zählt. Er wächst in fruchtbaren Hochlandgebieten, hat einen kräftigen, eigenständigen Geschmack und ein angenehmes Aroma. Im Geschmack findest du Noten von Schokolade und Gewürzen. Viele Besucher nehmen ihn als Mitbringsel aus Aceh mit, der westlichsten Provinz des Landes.

Kaffee gehört zur Kultur Acehs. Die Menschen trinken ihn in traditionellen Kaffeehäusern, den Warung Kopi. Zu den traditionellen Zubereitungen zählt der Kopi Saring, bei dem das Kaffeepulver durch ein Filtertuch läuft, was den eigenständigen Geschmack unterstreicht. Serviert wird er mit Zucker oder gesüßter Kondensmilch, nach Geschmack des Trinkenden. Die Pflege vom Pflücken bis zum Aufbrühen verlangt Sorgfalt. Mehr zum kulinarischen Leben des Landes findest du auf der Seite Essen und Trinken.

Tasse schwarzer Kaffee mit frisch gerösteten Bohnen und roten Kaffeekirschen auf einem Holztisch

Welche Rolle spielen Kenduri und Kuah Beulangong?

Der Saman gehört zu den Festen, bei denen die Gemeinschaft zusammenkommt. Zu diesen Anlässen zählt das Kenduri, das gemeinsame Festessen in Aceh. Es hat islamische Wurzeln und steht für Dankbarkeit, Einheit und sozialen Frieden. Die Menschen versammeln sich, um zu beten, Mahlzeiten zu teilen und wichtige Ereignisse zu feiern oder zu würdigen. Anlässe sind religiöse Feste wie das Fleischfest Meugang vor dem Ramadan und dem Fest des Fastenbrechens, der Geburtstag des Propheten, Geburten, Hochzeiten, Beschneidungen und der Einzug in ein neues Haus. Beim Kenduri Blang beten die Bauern gemeinsam und feiern für eine gute Aussaat oder Ernte, denn der Reisanbau ist für viele Menschen in Aceh die Lebensgrundlage.

Der Ablauf folgt einer festen Reihenfolge. Zuerst wird das Essen vorbereitet, dann lädt man Nachbarn, Freunde und Verwandte ein, meist formlos. Eine Doa oder ein Dikir, ein Gebet oder religiöser Gesang, eröffnet die Feier, geleitet von einem Gelehrten, Imam oder Ältesten. Danach teilen alle das Festmahl, und ein Schlussgebet beendet die Zusammenkunft. Übriges Essen bekommen die Gäste oft mit nach Hause.

Zu den typischen Speisen gehören Rendang und Kuah Beulangong, ein reichhaltiger Eintopf. Rind- oder Ziegenfleisch gart lange in einem großen Kessel, dem Kuali, mit Kokosmilch, Chili und vielen Gewürzen, bis das Fleisch die Gewürze ganz aufgenommen hat. Die Zubereitung geschieht gemeinschaftlich im Geist des Gotong Royong, der gegenseitigen Hilfe. Die Brühe ist herzhaft und kräftig gewürzt, und der Duft macht Appetit. Das Rezept wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Eine Süßigkeit der Region ist das Kue Adee, ein weicher Kuchen aus Weizenmehl, Kokosmilch und Zucker, der gebacken wird, bis die Außenseite leicht knusprig ist. Pandan und zerlassene Margarine geben ihm sein Aroma. Früher wurde er als besondere Speise für ehrenwerte Gäste serviert. Neben der klassischen Variante gibt es heute Varianten mit Käse oder Schokolade.

Warum braucht der Saman Schutz?

Die UNESCO hat den Saman 2011 auf die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, das dringend geschützt werden muss. Die Häufigkeit der Aufführungen und die Weitergabe gehen zurück. Viele Anführer, die das Wissen um den Saman tragen, sind inzwischen alt und haben keine Nachfolger. Andere Unterhaltung und neue Spiele ersetzen die informelle Weitergabe, und viele junge Menschen verlassen die Dörfer, um zu studieren. Hinzu kommt, dass Kostüme und Aufführungen teuer sind.

Für Reisende folgt daraus etwas Einfaches. Wer einen Saman erleben möchte, besucht die Gayo-Dörfer, fragt vor Ort nach Veranstaltungen und tritt als Gast auf, nicht als Zuschauer einer Touristenshow. Indonesien legt der UNESCO in regelmäßigen Abständen Berichte über den Zustand der Tradition vor.

Wie reist du nach Takengon und Gayo Lues?

Von Banda Aceh nach Takengon fährst du etwa acht Stunden mit Bus, Mietwagen oder gemietetem Labi-Labi. Der Weg führt über Bireuen. Bis Bireuen ist die Straße fast gerade und leicht zu fahren, danach windet sie sich neben einer Schlucht, sodass der Fahrer besonders aufmerksam sein muss. Von Medan nimmst du einen Bus Richtung Banda Aceh, steigst in Lhokseumawe aus, was etwa vier Stunden dauert, und fährst dann etwa drei Stunden mit dem Minibus nach Takengon. Aus Kutacane fahren öffentliche Verkehrsmittel direkt nach Takengon.

Nach Gayo Lues kommst du von Medan in zehn bis zwölf Stunden mit dem Auto, von Takengon in fünf bis sechs Stunden. Der Flughafen Blangkejeren in Gayo Lues wird von Kualanamu bei Medan und vom Flughafen Sultan Iskandar Muda in Aceh angeflogen. Prüfe die Flugpläne vor der Reise, denn die Verbindungen sind selten. Weitere Reiseziele auf der Insel findest du auf der Seite Sumatra.

Häufige Fragen zum Saman

Was ist der Saman?

Ein Sitztanz der Gayo in Aceh, bei dem die Tänzer klatschen, sich auf Brust und Oberschenkel schlagen und singen.

Wird der Saman mit Musikinstrumenten begleitet?

Nein. Klatschen, Brustschläge, Stampfen und der Gesang der Tänzer erzeugen den Rhythmus.

Wo sieht man den Saman am besten?

In Takengon in Zentral-Aceh und in Gayo Lues, den Zentren der Tradition.

Seit wann ist der Saman UNESCO-Kulturerbe?

Seit 2011, auf der Liste des immateriellen Kulturerbes, das dringend geschützt werden muss.

Aceh und Sumatra bereisen? Vergleiche Angebote mit Flug und Hotel für Indonesien. Mehr zum Tanz findest du auf der Seite des Tourismusministeriums zum Tari Saman.

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